Workshop 8: Zwischen Lebenslust und Bioethik: körpergeschlechtliche Vielfalt und Inter*. Ein Bericht von unterwegs

23.09.2017 14:30
 
Im Bereich körpergeschlechtlicher Vielfalt und für Inter* hat sich seit 2010 vieles bewegt. Die Erfahrungen der letzten Jahre und zahlreiche Neuentwicklungen zeigen aber auch: das Thema entzieht sich schlichten Antworten. Authentische Fragen sind hier nicht nur nach wie vor erlaubt. Sie sind auch weiterhin wichtig.
Der Vortrag entführt in ein vielschichtiges Spektrum der Potentiale. Er zeigt, dass selbstbestimmtes Leben mit zahllosen Möglichkeiten und vielen Variablen nicht nur möglich sein darf, sondern eigentlich zur Welt des Lebendigen gehört. In zugänglicher Sprache, teils sehr humorvoll, werden komplexe biologische Zusammenhänge dargestellt und wird von Erlebnissen sowie Projekten im In- und Ausland berichtet. Der Bezug bleibt dabei stets sehr konkret. Das ist auch an die persönliche Verkörperung und Kenntnis der Thematik gebunden.
Wichtige aktuelle Fragestellungen werden einbezogen, die vielerorts noch nie Eingang in die Diskurse fanden. Denn reproduktive Selbstbestimmung wirft auch völlig neue ethische Fragestellungen auf und lässt ein immenses Potential an möglichem, auch rechtlichem Konfliktstoff erahnen. Die Merkmale der Tragödie und der Komödie sind hier im Sinne einer Tragikomödie bestens miteinander verknüpft. Und derweil Menschenrechts- wie Inter*Selbstorganisationen vorwiegend für Operations-Stopp bzw. Operations-Aufschub, mehr Selbstbestimmung, eine medizinethische Aufarbeitung der persönlichen Geschichten aktiv sind, entwickelt sich das Feld der medizinischen Biotechnologien, auch der Pränataldiagnostik mit rasanter Geschwindigkeit. Neue Entwicklungen in Reproduktionsmedizin und Biotechnologie sind wichtige Aspekte, um Menschen Selbstbestimmung oder Selbstversorgung zu ermöglichen. Neue Biotechnologie kann aber auch ein besonderes Hindernis darstellen.
Aktuelle Antworten aus den Lebenswissenschaften können Empowerment befördern, indem fremdbestimmte (biologische) Definitionen und tradierte Ausschlüsse hinterfragt werden. Diese können sich durch dynamischere Variablen ersetzen lassen.
Die anschliessende Diskussion bietet viel Raum, um ins Gespräch zu kommen.
 

 

Referent*innen:
 
Simon Zobel ist Biologe, Diplom-Ingenieur sowie langjähriger Referent, Autor und Advokat für körpergeschlechtliche Vielfalt. Er studierte Biologie und Bioingenieurwesen in Frankreich, hat angewandte Wissenschaften in Paris gelehrt sowie in Frankreich und Deutschland als Ingenieur gearbeitet. Sein Fokus liegt auf Grenz- und Konfliktbereiche von (sozialen) Mythologien und Naturwissenschaften. Von besonderem Interesse ist das Thema Geschlecht und Körper. Simon ist über die Grenzen von Deutschland und Frankreich hinaus aktiv.