Modul 2: Die Bedeutung des Geschlechts im Recht

Die zunehmende Ausdifferenzierung und Variabilisierung des Geschlechterbegriffs stellen die geltende Rechtsordnung vor grundlegende Herausforderungen – und damit vor allem den Gesetzgeber vor die Frage, welche Relevanz das Geschlecht in Gesetz und Recht haben kann. In einem Moment erscheint die Anknüpfung des Rechts an das Geschlecht als Notwendigkeit, um Geschlechtergerechtigkeit zu gewährleisten. Im nächsten Moment wohnt der Anknüpfung die Gefahr inne, Menschen wegen ihres Geschlechts und ohne sachlichen Grund ungleich zu behandeln. Vor diesem Hintergrund erscheint die Frage berechtigt, ob oder inwieweit das Geschlecht in den Gesetzen der einzelnen Lebens- und Gesellschaftsbereichen als regulatives Kriterium verzichtbar ist oder gerade nicht. 
Um der gestellten Frage nachzugehen, wirft der Vortrag zunächst einen Blick auf die geltende Rechtsordnung, um an verschiedenen Beispielen aufzuzeigen, welche rechtliche Bedeutung das Geschlecht heute hat. Im Anschluss werden die verfassungsrechtlichen Grenzen bestimmt, die dem Gesetzgeber im Hinblick auf die Frage vorgeben sind, ob, inwieweit und in welcher Form er dem Geschlecht eine rechtliche Relevanz geben darf oder auch muss. Vor dem Hintergrund des so zugleich eröffneten gesetzgeberischen Gestaltungsspielraums wendet sich der Vortrag der rechtspolitischen Frage zu, von welchen Erwägungen sich der Gesetzgeber leiten lassen könnte, um dem Geschlecht die „richtige“ oder „gerechte“ Relevanz in den Gesetzen zu geben. Dabei illustriert der Vortrag seine allgemeinen Erwägungen mit konkreten Beispielen aus dem geltenden Gesetzesrecht und der aktuellen Rechtspolitik. Mit dieser verfassungsrechtlichen und rechtspolitischen Analyse möchte der Vortrag auch eine Anregung für eine Diskussion um die „richtige“ Relevanz des Geschlechts im Recht geben.
 
Referent: Eike Richter (Jurist)