Modul 5: Medizinethik und Recht im Spannungsfeld: informed choice and intersex

Modul 5: Medizinethik und Recht im Spannungsfeld: informed choice and intersex
Leben ist nicht nur komplexer, als wir annehmen, sondern vielfach komplexer, als wir überhaupt annehmen können. Jede 500. Person in der Gesamtbevölkerung ist körpergeschlechtlich „variabler“ als der angenommene Durchschnitt, welcher ebenso als variabel gesehen werden kann. Geschlecht zeigt sich auch körperlich als erstaunlich mehrdimensionaler als oft angenommen. Das bedeutet: Vielgestaltigkeit und facettenreiche Strategien. Wird die Komplexität von Leben aber einem Korsett aus eindimensionalen Zuschreibungen und Parametern zugeführt, dann entstehen Instrumente der Exklusion. Von Normalität zunächst ausgeschlossen, werden Menschen über Sonderregelungen später wieder inkludiert, womit bestehende wissenschaftliche und kulturelle Annahmen reproduzierbar bleiben. Grund-, Bürger- und Menschenrechte werden aufteilbar. Ethisches Prinzip kann gedehnt werden.
Das Autonomieprinzip gesteht jeder Person Entscheidungsfreiheit und das Recht auf Förderung der Entscheidungsfähigkeit zu. Es beinhaltet die Forderung nach einem informierten Einverständnis (informed consent, informed choice) sowie die Berücksichtigung der Wünsche, Ziele und Wertvorstellungen der „Patienten“. Auch Eltern dürfen nicht zwangsläufig „in guter Absicht“ irreversiblen Maßnahmen sowie Sterilisationen zustimmen. Wie internationale Studien zum Outcome, Ergebnis zeigen, ist auch eine Grenzziehung zwischen geschlechtszuordnenden und geschlechtsvereindeutigenden Maßnahmen wie sie der Deutsche Ethikrat empfahl nicht möglich.
Der Beitrag stellt die erstaunlichen Perspektiven von Geschlechtsentwicklung zunächst aus einer zeitgenössischen Sicht der Biologie vor. Intersexualität als Begriff sowie die „Zuschreibung von Zwischengeschlechtern“ werden erläutert, um dann im Hauptteil medizinische, ethische und rechtliche Fragestellungen konkret an zu sprechen. Die aktuellen Entwicklungen werden einbezogen. Dabei wird in besonderem Maße, positiv und sehr lebendig auf die Lebensrealitäten von Menschen mit körpergeschlechtlicher Diversität eingegangen.
 
Referent: Dipl.-Ing. Simon Zobel